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8.-10. Mai, Augsburg
Liz.phil. Maria de Lourdes Stiegeler: Heilen mit Sinn - Einführung in die Logotherapie und Existenzanalyse von Viktor Frankl
Als KZ-Häftling Nummer 119 104 das Hauptportal von Auschwitz durchschritt, trug er, ins Mantelfutter eingenäht, ein Buchmanuskript mit dem schmucklosen Titel “Ärztliche Seelsorge” bei sich. Es ging ihm verloren, dem jungen jüdischen Nervenarzt Viktor E. Frankl - verloren wie alles, was seinem Leben bis dahin Sinn gegeben hatte. Die Leitung einer Station am angesehenen Wiener Rothschild-Spital: aberkannt; der Vater, die Mutter, der Bruder: in Auschwitz vergast; seine 25jährige Frau: umgekommen in Bergen-Belsen. Drei Jahre verbrachte Frankl in vier Konzentrationslagern - und überlebte. Doch überleben: Wozu eigentlich noch?
Sein Manuskript hatte die Antwort vorweggenommen: Der Mensch, lehrt Frankls Anthropologie, ist seinem Wesen nach ein Sinn suchendes Wesen, das selbst äußerstes Leiden noch als Chance begreifen kann, an ihm zu wachsen, “eine persönliche Tragödie in einen Triumph zu verwandeln.” In 26 Büchern, mehrere mit Millionenauflagen, hat Frankl darauf, über seinen Lehrer Sigmund Freud hinauswachsend, eine neue Richtung der Psychotherapie gegründet: die Logotherapie (von griech. logos: Vernunft, Sinn), die Kunst, “sinn-voll zu heilen”.
In diesen originellen Ansatz führt uns mit Maria Stiegeler eine seiner namhaftesten Vertreterinnen ein. Ihr Seminar wird Frankls Grundüberzeugungen und die davon ausgehende therapeutische Vorgehensweise veranschaulichen:
1. Ein Großteil, wenn nicht alle psychischen Leiden rühren auch von verlorenem Sinn her - von einem “existentiellen Vakuum”.
2. Wahre Heilung setzt deshalb Sinnfindung voraus.
3. Gegen seelische Erkrankungen sind wir am besten geschützt, wenn wir uns in einen Sinnzusammenhang eingebettet wissen.
3. Dieser Sinn kann kein allgemeingültiger, “letzter”, umfassender sein; stets ist er ein individueller, ein “partikularer”, der sich aus einmaligen Lebensumständen, einer einzigartigen Biografie ergibt.
Neben Einblicken in Theorie und Praxis der Logotherapie bietet die Veranstaltung reichlich Raum für Diskussion und Gruppenarbeit.
Wo? Tagungszentrum im Diako, Evangelische Diakonissenanstalt, Fröhlichstr. 17, 86150 Augsburg, Tel. 08 21 - 450 510, eMail: tagungszentrum@diako-augsburg.de, Internet: www.tagungszentrum-diako.de
Anfahrt: siehe www.tagungszentrum-diako.de
Beginn: 5. Mai, 16 Uhr
Ende: 7. Mai, 12 Uhr (danach Mittagessen)
Teilnehmerzahl: 15 bis 20
Preis: 220 Euro
Unterkunft: Das Tagungszentrum bietet preiswerte Einzel- und Doppelzimmer.
Anmeldung hier.
Liz.phil. Maria de Lourdes Stiegeler. Die studierte Philosophin, die früher an Gymnasien unterrichtete, ist Schwester des Benediktinerordens und Mutter zweier erwachsener Töchter. 1944 in Portugal geboren, zählt sie zu den führenden Vertretern der Logotherapie, einer vom Freud-Schüler Viktor Frankl begründeten Richtung der Psychoanalyse, die in unbewältigten Sinnkrisen eine Hauptursache psychischer Störungen sieht. Frau Stiegeler gehört dem Wissenschaftlichen Beirat der Stiftung AUSWEGE an; sie war langjähriges Mitglied des Vorstands der "Deutschen Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse" (DGLE) sowie des Wissenschaftlichen Beirats der DGLE, Leiterin des "Instituts für Logotherapie und Existenzanalyse", Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Augsburg, ehemalige Dozentin an der Universität Münster. Als Gründerin und Erste Vorsitzende von "Shalom e.V.", eines Vereins zur Obdachlosenhilfe, wurde Frau Stiegeler 2008 von der Initiative “Pro Augsburg” für “vorbildliches ehrenamtliches Engagement” ausgezeichnet. Ein Leitsatz von "Shalom", von Viktor Frankl entlehnt, könnte auch das Motto der Stiftung AUSWEGE sein: "Die Spielregeln des Lebens verlangen von uns nicht, dass wir um jeden Preis siegen, wohl aber, dass wir den Kampf niemals aufgeben."
Im Internet: www.lourdes-stiegeler.de
Veröffentlichung u.a.: Lexikon der Logotherapie und Existenzanalyse (mit Karlheinz Biller), Böhlau Verlag 2008
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